Gemeinsam sind wir (pferde)stark

Die Mädchen der 8. Klasse der Augusta-Sibylla-Schule durften in diesem Schuljahr an einem ganz besonderen Projekt teilnehmen: Unter dem Motto „Gemeinsam sind wir (pferde)stark“ ging es sechs Wochen lang je einen Nachmittag auf den Reiterhof „Pferdestärken“ nach Plittersdorf. Ziel des Projekts war es, einerseits den Gemeinschaftssinn der Schülerinnen untereinander zu stärken, andererseits sollten sie auch trainieren, sich selbst zu behaupten, sich etwas zuzutrauen, aber auch eigene Grenzen zu erkennen. Dank der Unterstützung durch die Bürgerstiftung Rastatt war die Realisierung möglich.

 

Gleich in der ersten Einheit konnten die Mädchen unter der Leitung von Sozialpädagogin und Reitlehrerin Elisabeth Freyer-Schretzmann eindrücklich erleben, dass nicht nur ihr Zusammenleben sich schwierig gestalten kann. Als sie die Pferde „in freier Wildbahn“ beobachten konnten, war klar ersichtlich, dass auch die Tiere bestimmte Vorlieben oder Vorbehalte gegenüber ihren Artgenossen haben und ihre Konflikte austragen. Die Schülerinnen sahen, dass die Tierlaute von Ab- oder Zuneigung erzählten und auch, was der Begriff „Stutenbissigkeit“ bedeutet. Die Parallelen zu ihrem eigenen zeitweisen Verhalten waren nicht zu übersehen!

Als es an die Arbeit mit den Pferden direkt ging, war Teamarbeit gefragt: In Zweier- bzw. Dreiergruppen mussten die Tiere aus den Ställen geholt, geputzt und gesattelt werden. Die Gruppen wurden nicht nach ihren Vorlieben eingeteilt, sondern nach Absprache von Elisabeth Freyer-Schretzmann und der Schulsozialarbeiterin Sina Lang, die gemeinsam mit der Praktikantin Anke Ebner die Schülerinnen durch das Projekt begleitete. Die Einteilung war abhängig davon, wer sich eher ängstlich, mutig oder gar routiniert im Umgang mit den Pferden einschätzte. Diese Kombinationen bargen Konfliktpotenzial. Die Mädchen mussten lernen, sich zusammenzuraufen und zusammen zu arbeiten.

Das Füttern entpuppte sich für den Großteil der Teilnehmerinnen als große Überwindung, da der Respekt vor den Zähnen der Tiere doch recht groß war.

In den ersten Einheiten ging es darum, die Pferde am Strick durch die Halle zu führen, teilweise um Hindernisse herum oder durch einen Parcours. Dies dämpfte die Stimmung der Mädchen zunächst, da ihr großes Ziel natürlich war, auf den Pferden zu reiten. Doch mit den Schwierigkeiten, die nun vor ihnen lagen, hatten sie nicht gerechnet: Die Tiere zeigten, dass sie ihren eigenen Kopf haben und wollten keineswegs automatisch so laufen, wie die Mädchen es sich vorgenommen hatten. Die Schülerinnen lernten, dass der Tonfall und die Lautstärke der eigenen Stimme, aber auch die Körpersprache eine große Wirkung darauf haben, was bei ihrem Pferd – und im übertragenen Sinn bei ihrem Gegenüber im täglichen Miteinander – ankommt. Für einen Teil der Mädchen war es eine neue und auch frustrierende Erfahrung, zu erleben, dass sie, die normalerweise immer den Ton angeben, auf einmal nicht gehört wurden oder gehört werden wollten. Andere, eher schüchterne Mädchen wiederum erfuhren am eigenen Leib, dass sie durchaus fähig sind, sich durchzusetzen, wenn sie auf bestimmte Dinge achten.

Im Zuge der nächsten Einheiten durften die Mädchen dann natürlich auch reiten und voltigieren, also Turnen auf dem Pferd ausprobieren. Dies stellte große Herausforderungen an den Mut der Mädchen, die sich dies aus der Ferne doch viel einfacher vorgestellt hatten. Wieder war die Körpersprache ein großes Thema – wie fühlt es sich an, ganz aufrecht zu sitzen und den Körper anzuspannen? Was zeige ich meinem Gegenüber, wenn ich mich ganz klein und mit rundem Rücken zeige?

Zum Abschluss des Projekts zeigte sich, dass die Mädchen sich teilweise Dinge zutrauten, die sie sechs Wochen zuvor noch verweigert bzw. nicht für möglich gehalten hätten. Auch in puncto Durchsetzungsvermögen konnten einige etwas dazulernen.

Nun gilt es, die Erfahrungen, die den Mädchen ermöglicht wurden, im weiteren Verlauf des Schuljahres in den Alltag zu übertragen.