Schulsozialarbeit

Veröffentlicht am: 14.02.2015 | von: Martin Kirchner | Kategorie: Schwerpunkte

Schulsozialarbeit

Seit 1992 wird an der Augusta-Sibylla-Schule die Konzeption einer sozialpädagogisch orientierten Förderschule verfolgt, die sich von ihrem Verständnis her nicht nur auf das Feld der Wissensvermittlung konzentriert, sondern als soziales Lern- und Erfahrungsfeld verstärkt familienersetzende Aufgaben zu übernehmen hat. Als sozialpädagogische Schule ist die Augusta-Sibylla-Schule in hohem Maße Lern- und Lebensraum und legt daher auf das soziale Lernen, auf fördernde Unterrichtsformen und –bereiche besonderen Wert. Seit 2001 wird die Schule durch eine Diplom-Sozialpädagogin unterstützt.

Angebote von Schulsozialarbeit

Einzelfallhilfe

Die Schulsozialarbeiterin steht den Schülerinnen und Schülern als Gesprächspartnerin bei privaten und schulischen Sorgen zur Verfügung und begleitet sie bei Bedarf zu Beratungsstellen oder Ärzten.

Gruppenangebote

In der Oberstufe kommt bei verhaltensauffälligen Schülern ein Konflikttraining, das speziell auf das Thema körperliche und verbale Gewalt ausgerichtet ist, zum Einsatz. In den Gruppen werden jeweils 5 zuvor auffällig gewordene Schüler betreut.

Offene Angebote

Die Schulsozialarbeiterin betreut täglich ab 7.15 Uhr das Schülercafé, das für Schülerinnen und Schüler aller Klassenstufen offen steht. In den Randstunden und an zwei Mittagen halten sich hier Schülerinnen und Schüler auf, um sich zu unterhalten, zu spielen, Musik zu hören oder ein Kreativangebot anzunehmen.

Berufsvorbereitende Angebote

Im Rahmen eines von der Schulsozialarbeiterin initiierten Sozialpraktikums in der Altentagesstätte betreut sie eine zwei Mal jährlich wechselnde Gruppe von Schülerinnen und Schülern.

Eine praktische berufsvorbereitende Maßnahme ist die Leitung einer kleinen Schülerfirma, in der die Schülerinnen und Schüler für Auftraggeber Wäsche bügeln und mangeln. Schlüsselqualifikationen wie Pünktlichkeit, Genauigkeit, Sauberkeit und Zuverlässigkeit werden hier trainiert unter Umständen, die Wirklichkeitscharakter haben, da die Auftraggeber einwandfreie Arbeit erwarten. Inzwischen leitet die Schulsozialarbeiterin eine Mitarbeiterin, die mit den Schülerinnen und Schülern die Wäsche bügelt.

Die Arbeit in dem von Schülerinnen und Schülern in Eigenregie betriebenen Kiosk der Schule, in dem täglich Pausenvesper angeboten wird, wird von ihr begleitet und unterstützt. Auch hier wird der Ernstcharakter trainiert. Schülerinnen und Schüler, die im Kiosk mitarbeiten wollen, müssen sich schriftlich bewerben und bei ihr und der verantwortlichen Lehrkraft ein Bewerbungsgespräch absolvieren.

Gemeinsam mit Lehrkräften führt sie Bewerbungstraining durch. In Rollenspielen bereitet sie die jungen Menschen auf Bewerbungsgespräche vor, gibt Tipps für Verhaltensregeln und hilft beim Schreiben von Bewerbungen. Auch besucht sie zusammen mit Schülerinnen und Schülern die Agentur für Arbeit und Einrichtungen, die an die Förderschule anschließen.

Gemeinsam mit den Klassenlehrern gestaltet sie den Unterricht „Vorbereitung auf Beruf und Leben“ der 7., 8. und 9. Klassen. Dort wird vor allem auf eine Integration der Schüler in die Gesellschaft hingearbeitet- sowohl Verhaltensregeln, Kritikfähigkeit, das Zurechtfinden in öffentlichen Einrichtungen als auch der verantwortliche Umgang mit Geld werden u.a. eingeübt.

Zusammen mit einer Lehrerin führte sie in den 8. Klassen den Test „hamet2“ zur Erfassung beruflicher Basiskompetenzen der Schülerinnen und Schüler durch.

Den Schülerinnen und Schülern der achten und neunten Klasse ist sie Ratgeberin beim Berufswahlunterricht. Sie hält Kontakt zum Berufsberater und sucht aktiv selbst nach freien Ausbildungsplätzen und Nischen für junge Menschen mit einer Beeinträchtigung im Lernen.

Es finden regelmäßig Besprechungen statt, an denen die Klassenlehrer, der Berufsberater und die Sozialarbeiterin teilnehmen. Hier werden die Einzelfälle diskutiert, die weiteren Schritte geplant und für jede Schülerin/jeden Schüler eine „Berufsakte“ fortgeschrieben. Im Rahmen der Berufsorientierung veranstaltet die Schulsozialarbeiterin jährlich einen Elternabend zum Thema „Wie sehen die Wege nach der 9. Klasse aus?“.

Elterngespräche zur beruflichen Zukunft ihrer Kinder finden in der Regel mit den Klassenlehrern und der Schulsozialarbeiterin statt.

Gewaltprävention

„Trainingsraum-Programm“

An allen Schultagen bietet sie für die Dauer von jeweils 3 Schulstunden (bei besonderem Bedarf auch länger) den sogenannten „Sozialen Trainingsraum“ an, den Schülerinnen und Schüler aufsuchen können, wenn es im Unterricht zu Streitigkeiten oder Störungen kommt. Im Trainingsraum wird das Geschehene schriftlich und im Gespräch reflektiert.

„Stopp“-Programm

Für die Unterstufe konzipierte sie ein Sozialtrainingsprogramm, das sie in Zusammenarbeit mit den Klassenlehrern einsetzt.

Projekt zur Prävention sexueller Gewalt

In den siebten Klassen wird ein Projekt zur Prävention sexueller Gewalt durchgeführt, das darauf beruht, dass vermehrt beobachtet wurde, dass sich sowohl Jungs als auch Mädchen anfassten, auch wenn dies dem anderen sichtlich unangenehm war. So werden nun in drei Unterrichtseinheiten in geschlechtsspezifischen Gruppen die Themen Frauenbild, Grenzen des eigenen Körpers und Konsequenzen von sexueller Belästigung erarbeitet.

Mädchenprojekte

Zusammen mit einer Mitarbeiterin der Diakonie wurde ein speziell auf Mädchen ausgerichtetes Projekt durchgeführt. Das Mädchenprojekt beinhaltet einen Besuch der Beratungsstelle, eine Einheit zum Thema „Freundschaft und Beziehung“, den Besuch einer gynäkologischen Praxis, eine Einheit zum Thema „Sexualität und Verhütung“ und einen Termin, dessen Themenschwerpunkt von den Mädchen im Verlaufe des Projekts jeweils selbst bestimmt wird.

Das Projekt wird jährlich jeweils mit der jeweils nächsten Jahrgangsstufe wiederholt.

Sonstiges

Ein freizeitpädagogisches Angebot mit Basteln, Malen und Spielen kommt vor allem den Schülerinnen und Schülern der Klassen 1 und 2 zugute.

Für entlassene junge Menschen ist die Schulsozialarbeiterin Anlaufstelle. Sie berät in Fragen der Alltagsbewältigung genauso wie bei Partnerschaftsproblemen und beruflichen Fragen.

In der Kooperationsklasse des Berufsvorbereitungsjahres ist sie in Konfliktsituationen und zur Praktikumsvorbereitung bzw. -nachbereitung tätig.

Außerdem begleitet sie Klassen bei Ausflügen und Klassenfahrten.

Kooperation und Kooperationspartner

Zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Jugendämter hält sie mittlerweile als Ansprechpartnerin der Augusta-Sibylla-Schule Kontakt und bahnt Kooperationen an, so dass sie in alle Einzelfälle sowohl von Lehrer- als auch von Jugendamtsseite involviert ist..

Mit den zuständigen Reha-Beratern der Agentur für Arbeit steht sie imAustausch über die Ausbildungsreife der Schülerinnen und Schüler. Gemeinsame Elternabende und Elternsprechtage wurden durchgeführt.

Die Sozialpädagogin nimmt regelmäßig an den Treffen des überregionalen Arbeitskreises der Schulsozialarbeiter teil.

Gemeinsam mit einer Mitarbeiterin der Diakonie führt sie ein Mädchenprojekt (siehe oben) durch.

Schlussbetrachtung

Die Augusta-Sibylla-Schule wurde durch die Schulsozialarbeit und die unterstützenden Betreuungsmaßnahmen immer mehr zum Lebensraum für die Schülerinnen und Schüler. Sie genießen es, auch vor und nach dem Unterricht in der Schule verbleiben zu können. So ist es auch nie schwierig, Freiwillige für außerordentliche Veranstaltungen (z. B. Mitarbeit in den Schülerfirmen am Nachmittag) zu finden.

Dadurch, dass die Schulsozialarbeiterin vor allem in den Klassen der Oberstufe durch die wöchentliche Berufsvorbereitung stets präsent ist, ist ihre ständige Ansprechbarkeit für die Schüler ein gerne angenommenes Angebot geworden.

Während in den Anfangszeiten der Jugendhilfeträger, der Europäische Sozialfonds und die Fördergemeinschaft selbst die Schulzialarbeit finanzierten, so finanziert inzwischen der Landkreis Rastatt als Jugendhilfe- und Schulträgereine eine halbe Stelle. Dank der Unterstützung von Sponsoren gelang es der Fördergemeinschaft, die Stelle auf eine 75%-Stelle auszuweiten.